Inhalte der Montessori-Pädagogik
Gebote für die Erzieher des jungen Kindes im Kinderhaus
“Was sollen die Lehrer, die zur Läuterung des Dienstes am sich
entwickelnden Leben bereit sind, dort ‘aktiv‘ tun, wo für die
Kinder eine ihnen angemessene Umgebung geschaffen worden ist?
1. Die Lehrer haben zunächst eine Pflicht materieller Ordnung: minuziös
die Umgebung zu pflegen, so dass sie sich sauber, glänzend, geordnet darstellt;
die Folgen der Abnutzung durch den Gebrauch beheben, ausflicken, neu bemalen
oder auch für anziehenden Schmuck sorgen.
‘Wie es ein treuer Diener tut, der das Haus in Erwartung seines Herrn bereitet.‘
2. Der Lehrer muss den Gebrauch der Dinge lehren, ausführend zeigen,
wie sich die Übungen des praktischen Lebens vollziehen: und dies mit Anmut
und Genauigkeit, damit alles in der Umgebung Befindliche von dem benutzt werden
kann, der es wählt.
3. Der Lehrer ist ‘aktiv‘, wenn er das Kind mit der Umgebung in
Beziehung bringt; er ist ‘passiv‘, wenn diese Beziehung erfolgt ist.
4. Er muß die Kinder beobachten, damit ihre Kraft sich nicht vergebens
verflüchtigt, wenn eines verborgene Geräusche sucht oder eines der
Hilfe bedarf.
5. Er muss herbeieilen, wohin er gerufen wird.
6. Er muss zuhören und antworten, wenn er dazu eingeladen wird.
7. Er muss das Kind, das arbeitet, respektieren, ohne es zu unterbrechen.
8. Er muss das Kind, das Fehler macht, respektieren, ohne es zu korrigieren.
9. Er muss das Kind respektieren, das sich ausruht und das den anderen bei
der Arbeit zusieht, ohne es zu stören, ohne es anzurufen, ohne es zur Arbeit
zu zwingen.
10. Er muss aber unermüdlich versuchen, demjenigen Kind Gegenstände
anzubieten, das sie schon einmal abgelehnt hat; das zu unterweisen, das noch
nicht verstanden hat und Ferner macht. Und dies, indem er die Umgebung mit seinem
Sorgen belebt, mit seinem bedachten Schweigen, mit seinem sanften Wort, mit der
Gegenwart jemandes, der liebt.
11. Der Lehrer muß seine Gegenwart das Kind spüren lassen, das
sucht; sich verbergen dem, der gefunden hat.
12. Der Lehrer erscheint dem Kind, das seine Arbeit vollendet und frei seine
eigene Kraft erschöpft hat, und bietet ihm schweigend seine Seele ~an wie
einen geistigen Gegenstand.
(Aus: Maria Montessori: Spannungsfeld Kind - Gesellschafl - Welt, 5 88 ff.)
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